Mein Rückfall

Ich war mal zehn Jahre auf der Nadel und nun nach fünfzehn Jahren ohne Opiate bin ich seit Juni letzten Jahres wieder drauf. Aber ich habe mein Bewusstsein gegenüber den Drogen verändert, ich bin nicht nach acht Monaten wieder total am Boden. Ich akzeptiere meine derzeitige Situation und sie macht mich eher stark, als dass ich mich durch meine erneute Abhängigkeit am Boden zerstört fühlen würde.
Vor 25 Jahren, als ich das erste Mal mit Opiaten oder harten Drogen allgemein in Berührung gekommen bin, da wollte ich nur eins. Ich wollte einfach im Koma sein, solange ich noch halb bewusst etwas mitbekam, war ich nicht dicht genug. Heute ist das anders, ich will mal behaupten, dass ich das Heroin einfach medizinisch anwende, so wie jemand anderes Psychopharmaka einnimmt jeden Tag. Das ist das eine wie das andere eine Abhängigkeit, egal ob legaler Stoff oder illegaler Stoff.
Genau aus diesem Grund, nämlich um dem Thema Sucht und Drogengebrauch die Verruchtheit und das Kriminelle zu nehmen, möchte ich hier schreiben über meine Erfahrung mit dem cleanen Leben und einem Rückfall nach fünfzehn Jahren. So ein Rückfall endet nun mal nicht unbedingt wieder bei der Endstation, sonder er kann auch eine echte Bereicherung bzw. Erfahrung sein. Ich sehe das als Weiterentwicklung an, als Vorfall an, den ich zum Anlass nehme, mein Leben wieder lebenswert zu machen. Das kann es mit oder ohne Drogen sein, genauso wie ein Leben mit oder ohne Drogen "scheisse" oder "doof" sein kann. Das Leben mache ich mir immer selber, egal wie die Umstände sind. Und das ist auch das einzige, was wir für uns ändern können. Wenn wir das gut geschafft haben, ändern wir auch gleichzeitig das Leben unseres Mikrokosmos und der wiederum ändert den Makrokosmos. So wird einfach aus der Menschheit mit allen ihren wertvollen Individuen, süchtig oder nicht, etwas Wundervolles!





