Schöner Sommer mit Heroin

Epilog: Ich erzähle meine Geschichte, für alle, die es interessiert. Für User, für Ex-User, für Angehörige, zum Verständnis. Ich will nichts verherrlichen, keine Werbung für Drogen machen, so wie die Werbewirtschaft für Nikotin und Alkohol. Also lasst einfach Kommentare, die mich verunglimpfen. Ich nehme zur Zeit gerne Opiate, so wie die meisten meiner anderen Bekannten gerne jeden Tag saufen, nicht mehr und nicht weniger. Ich habe fünfzehn Jahre gelitten am Leben und ich will es nicht mehr, ich habe Tabletten genommen, die haben nicht geholfen, also helfe ich mir wieder selber. Vielleicht kann mir ja ein Leser helfen, ausgebildete Profis haben es bis jetzt nicht geschafft, viel Geld in die Ausbildung investiert und trotzdem hilflos dem Heroin gegenüber. Das sollte mal in die Köpfe rein, ich mach es, wenn ich will und keiner redet mir da rein. Sperrt mich ein und ich nehme Heroin im Knast, hängt mich auf, dann habe ich endlich Ruhe. Also, ihr bringt mich nicht weg von den Drogen, ich mache es selber, ganz alleine, oder gar nicht. Das ist bei jedem so, sogar wenn er zu Gott betet.
Ich habe seit Juli kontinuierlich und regelmässig Heroin konsumiert. Damals bin ich in den Park zu meinen Leuten und wen treffe ich nach über zehn Jahren mal wieder? Den glimmer twin, das hat mich echt gefreut, wir kennen uns seit ungefähr 25 Jahren, also aus den Zeiten, wo wir noch brav waren und nur Hasch geraucht und Trips geschmissen haben. Irgendwann habe ich glimmer twin, wie viele andere aus den Augen verloren. Jedoch habe ich die Leute immer wieder getroffen, die meisten anderen waren auch auf harte Sachen draufgekommen. Auf jeden Fall bin ich an diesem Abend mit glimmer twin heimgefahren, er hatte mich gewarnt, dass er sich einen Druck machen muss daheim. Und er fragte mich nach seinem Druck, ob ich auch was haben wollte, klar wollte ich nach über dreizehn Jahren ohne Opiate mal wieder schlecken. Ich rauchte ein kleines Blech und mir ging es gut, es war zwar Strassendreck, aber nachdem ich ja jungfräulich war, war ich wirklich zufrieden, gut aufgewärmt und wohlig in mir selber aufgehoben. Es ist einfach ein gutes Gefühl, das kann keiner abstreiten, der es selber kennt. Ich war endlich mal seit über einem Jahr nach der Trennung wieder zufrieden und machte mir keinen Kopf über meine vermeintlich beschissene Situation mehr.
Ich muss gleich mal sagen, dass ich immer nur Mengen im Bereich von einem halben oder einem Zehntel genommen habe am Tag, ich habe mich nicht hochdosiert und ich habe nicht täglich konsumiert. Aber immer, wenn ich konsumiert habe, dann habe ich ein gutes Gefühl gehabt, ich kenne es ja zur Genüge, aber ich habe mich mit immer dem gleichen zufrieden gegeben, ich habe auch niemals die Lust auf einen Druck verspürt, ich wollte einfach anders mit dem Gift umgehen, als früher und das habe ich auch geschafft.
Ich bin ganz sicher, dass Heroin für mich das beste Anti-Depressivum ist, solange es in einer annähernd homöopathischen Dosis verabreicht wird. Solange einfach dadurch die Depression abgeschalten wird und eine gewisse Zufriedenheit eintritt, nicht ein Koma oder ein Zustand des Dämmerns. Ich will mein Leben mitkriegen, aber ich weiss, das geht auch trotz Heroin, der Gebrauch ist entscheidend. In dieser Gesellschaft kann kein normaler Umgang mit diesem Stoff geübt werden, dazu wird das alles viel zu sehr verdammt. Das zerstört viele Leben nachhaltig, nicht der Süchtige selber ist Schuld daran.
Ich bin nicht körperlich abhängig, ich teste das gerade, mir geht es auch ohne das Zeug gut. Ich fühle mich gut und ich mache mehr, also habe ich auf jeden Fall eine Weiterentwicklung durch meinen monatelangen Konsum erfahren, das ist einfach wunderbar und zeigt mir, dass ich mir keine Gedanken machen muss, was ich gerade mache. Wenn ich es selber will, dann werde ich alle Felsen umschiffen und auf alles scheissen, was mir in den Weg kommt. Wenn ich es will, dann bleibe ich aber bei der ersten Klippe hängen und gehe unter. Das ist das wunderbare im Leben, ich allein entscheide, wie mein Leben läuft. Und diese Erkenntnis habe ich nun wieder ganz eindeutig gewonnen. Und jetzt soll es wieder lebenswert werden nach fast zwei Jahren Durchhängen und Alkoholausfällen.





