Wie alles anfing

Ganz am Anfang war das Haschisch. Das fing so an im Sommer 1980, da habe ich mal was probiert von einem Kerl im Wienerwald. Der hat da immer um Kohle gezockt. Es gab eine Schwemme im Wienerwald, da haben sich immer Zocker getroffen und echt viel Kohle verspielt. Zum Beispiel "Meine Tante, Deine Tante", da wurde ein Hunderter auf den Boden geworfen, der eine sagte "Gerade", der andere "Ungerade" und je nach Endziffer des Geldscheins hatte eben gerade oder ungerade verloren. So schnell wechselten die Scheine da den Besitzer. Ich denke, da waren einige so Hartgeldluden dabei, die sich von ihrer Frau auf dem Strich finanzieren liessen. Einer von diesen Spielern war ein von Löwenstein, der war ein paar Jahre älter als ich und war auch an meiner Schule. Der hat mich dann mal zu so 'nem Joint eingeladen. Ich kann mich noch gut erinnern, wir sind dann noch ins Kino gegangen und haben uns Clockwork Orange angeschaut. Das war für mich damals auf dem Zeug schon ein ganz schöner Hammer, den Film zu schauen.
Dann ging es richtig weiter, als wir mal im Prinzregentenbad ein paar ältere Freaks getroffen haben. Die hatten uns mal ein Stück Piece hingeschmissen, damit wir auf ihre Sachen aufpassen, solange sie im Wasser sind. Wir, das waren Flo, Franky, Jagger, Thilo und ich. An diesem Tag haute das Zeug das erste mal so richtig rein, das war ein total lustiges Erlebnis. Wir waren alle so kindisch und haben nur noch rumgegackert, es war wunderbar. Ich habe so einen knappen Kilometer vom Schwimmbad entfernt gewohnt, aber ich habe zusammen mit Thilo eine Stunde gebraucht damals. Und wir waren sogar mit den Fahrrädern unterwegs. Wenn ich da gerade so drüber schreibe, dann kann ich mich wieder ganz genau an mein Gefühl an diesem Tag erinnern, da war ich so high, alles war so dermassen gelassen und in Ordnung, das war unbeschreiblich. Ich wollte und konnte einfach nur noch lachen und fühlte mich unbeschreiblich leicht und unangreifbar. Ich schwebte einfach so umher.
Ja, so fing das damals an, es war unausweichlich. Ich glaube, ich wollte die Stimmung daheim besser verkraften. Meine Eltern haben doch irgendwie nie ein richtig liebevolles oder nettes Verhältnis miteinander gehabt und meine Schwester und ich hatten genug Streitereien mitbekommen. Es ist kein Wunder, dass meine Schwester mit 16 ausgezogen ist, es war wohl für sie nicht gut zum Aushalten zu Hause. Mich hat es gar nicht so weggezogen, wie meine Schwester, ich bin eben im Alter von 15, 16 in die Drogen geflüchtet. Wahrscheinlich wollte ich mich nicht so richtig aus dem Schutz der elterlichen Wohnung begeben, aber ich wollte auch die ganzen Streitereien und beschissenen Gefühle, denen ich laufend ausgesetzt war, nicht mehr mitbekommen.
Meine Eltern waren 1967, als ich zwei Jahre alt war, nach München gezogen, da mein Vater dort einen besseren Job gefunden hatte. Meine Mutter war darüber sehr unglücklich, sie hatte mit Bayern nichts am Hut. Wir kannten niemanden und waren weit weg von der eigentlichen Heimat. Meiner Mutter ging es anfangs in München nicht gut, sie begann doch wirklich, Alkohol zu trinken, um mit der Situation fertig zu werden. Sie lernte die Mutter eines Kindergartenfreundes von mir kennen, die selber befand, dass der schönste Platz an der Theke ist. So rutschte meine Mutter da wohl eher aus Versehen rein. Ich muss aber sagen, dass sie nie eine Alkoholikerin war in dem Sinne, dass sie abgebaut hätte. Sie setzte ihn halt ein, so wie ich nun das Haschsich, um ein beschissenes Leben einfacher zu ertragen. Meine Eltern feierten gerne, ich habe, so wie das klassisch ist, auch mal als Kleinkind an den leeren Bierflaschen gesaugt und so für die Belustigung meiner Eltern gesorgt. Irgendwelche Konsequenzen hatten sie aus diesem Vorfall wohl nicht gezogen.

